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Cocktail Die Entstehung in London

Updated: Apr 13, 2020

Stellt man die Frage, nach der Entstehung des Cocktails, hört man bei oberflächlichen Ausbildungen Geschichten von Hahnenkämpfen. Bei besseren Einrichtungen kommt dann schon fachliches Wissen von einem Zeitungsartikel des New York Hudson aus dem Jahre 1806 zum Vorscheinen. Aber noch immer weit gefehlt. Wir setzten am Anfang an und gehen mit euch durch die Historik.



17. Jahrhundert:


In jenen Zeiten trank man in England „Purl“. Um ihn herzustellen, legte man Wermut-Pflanzen in Ale (ungehopfte Biere) ein. Eine so genannte Infusion. Der Wermut zog wie ein Tee in dem Bier und gab seine Bitterstoffe ab. Wohlhabende Menschen verwendeten einen Sack, also einen relativ süßen Sherry, und nannte das Getränk dann „Royal Purl“.


Ein Purl war jedoch kein Freizeit Drink, man trank ihn aus medizinischen Gründen zur Vorbeugung oder Genesung gern am Morgen.


Ende des 17. Jahrhunderts kam "Richard Stoughton," ein Apotheker aus Southwark in London, auf die Idee, ein Tonikum (Kräuterauszug) herzustellen. Dieses wurde im Jahr 1712 als „Stoughton’s Elixir“ patentiert. In der damaligen Werbung versprach es Vorbeugung und Heilung bei geschwächten Mägen. Appetitanregend wie Wermut und Bitterstoffe von Kräutern auch heute noch auf uns wirken.


Hunger verbindet man mit Gesundheit.

Der Erfolg lag darin, dass dieses Tonikum fertig in Flaschen erhältlich war und man keinen Tagelangen Auszug mehr zuhause vorbereiten musste. Einfach ein paar Tropfen in ein Bier, Ale oder Sack geben und fertig war die Medizin.



Und Hier halten wir die wichtigste Zutat eines Cocktails in den Händen: Die Bitterquelle (Bitterstoffe)


18. Jahrhundert:


Wasser pur zu trinken war weltweit ein enormes Gesundheitsrisiko. Sauberes Wasser gab es nahe zu nirgends. Magengrippen die nicht selten zum Tot führten, gab Anlass Spirituosen in das Wasser zu geben um es zu desinfizieren und steril zu machen.

Die Spirituosen waren in London mit dem Tonikum sehr gern verfeinert und bekamen eine Bittere Note dadurch. Man nannte diese dann auch einfach umgangssprachlich: „Bitters“

Desinfiziertes Bitteres Wasser war geschmacklich natürlich nicht der Hit, aber fügte man in einer beliebigen Form Süße hinzu, sorgte dieser Geschmacksträger für runde und kräftige Aromen, welche durch den Zuckeranteil verstärkt wurden. Auch die tägliche Rum-Ration der Royal Navy wurde zum Beginn des 18. Jahrhunderts mit Wasser verdünnt. Die Seeleute wurden nicht wie man oft darstellte mit Alkoholfässern täglich betrunken gemacht. Man desinfizierte damit lediglich das Trinkwasser der Mannschaft oder versorgte damit Wunden.


Was wir hier vor uns haben, nennen wir heute: „Cock-tail oder Cocktail“

Für Amerikanische Cocktails, ist die Rezeptur damit eigentlich schon vollständig.


Mit Bittertropfen welche in einer Spirituose eingelegte Kräuter enthielt, wurde Wasser desinfiziert.

Um den Geschmack zu verfeinern nahm man Zuckerquellen wie Honig oder Zuckersirup.


- Alkoholquelle

- Zuckerquelle

- Wasserquelle

- Bitterquelle.


Der Name Cock-tail:


Doch der Cocktail entstand namentlich nicht in Amerika. Zwar entwickelten sich diese desinfizierten meist namenlosen oder anders genannten Wasser überall sehr ähnlich, doch der Namen Cocktail wurde in London geboren.


1842 wird davon berichtet, dass man in der Nähe von London Ingwer-Cocktails trank. William Terrington publiziert in seinem 1869 in London erschienenen Buch Cooling Cups and Dainty Drinks Cocktail-Rezepte, die Ingwer oder Chili enthalten und teilweise sogar mit heißem Wasser zubereitet werden.

William Terrington ist glücklicherweise die bislang einzige noch überlieferte und gefundene Brücke zur Entstehung des Cocktails in London. Als einziger Autor bereitet er Cocktails mit Zusätzlicher Ingwer- oder Chili-Quelle zu.


Der Ingwer war entscheidend:


Der Ingwer ist nicht nur die fehlende Zutat in den Amerikanischen Cocktail Formen, sondern auch der Schlüssel für die Herleitung der Bezeichnung „Cocktail“. Ursprünglich stammt der Begriff aus der Pferdezucht. Nicht-reinrassige Pferde wurden so bezeichnet. Ihnen wurde der Schweif abgeschnitten, um sie zu kennzeichnen. Dadurch wurde dieser leichter und stellte sich höher auf und sah im übertragenen Sinne wie ein Hahnenschwanz aus, wie ein „cock tail“, so die wörtliche Übersetzung. Damit diese Pferde lebhafter und rassiger wirkten, halfen die Pferdehändler gerne etwas nach, indem man den Tieren eine Knolle Ingwer oder auch eine Chilischote in den Anus schob. Dadurch trugen sie ihren Schweif noch höher und plusterten sich vor der Kundschaft auf. Heut würde das wahrscheinlich als Tierquälerei gelten. Angenehm war dieses Brennende Gefühl im Hintern sicherlich nicht.

Die Bezeichnung „Cocktail“ übertrug sich auf alle mit Ingwer hergestellten Getränke und zu dieser Zeit war das Getränk der Getränke der Londoner Cocktail bestehend aus:


Desinfiziertem Wasser durch eine Alkohol-quelle, Bitter-tropfen für den Magen, Zucker für die Aroma-stärke und Ingwer für Reinigung und Gesundheit.


Es sei noch erwähnt, dass man bereits im 18. Jahrhundert nicht nur Ingwer, sondern auch Chili in seine Getränke gab – so wie es auch von William Terrington für Cocktails vorgeschlagen wurde. Auch in Amerika verwendete man in den Jahren nach der Unabhängigkeitserklärung Chili als Getränkezutat.


Der originale Cock-Tail:


Eine komplette überlieferung eines Rezeptes ist bis heute nicht auffindbar, aber wir können aus vorliegenden Dokumenten eine Rekonstruktion erstellen, die durch „experimentelle Archäologie“ überprüft wurde.


Wasserquelle: 5 cl Wasser

Alkoholquelle: 2 cl Cognac

Schärfequelle: 0,5 cl Ingwer-Brandy (als Beispiel)

Zuckerquelle: Zuckersirup

Bitterquelle: Mary Kittiby´s Bitter (als Beispiel)


Zubereitung:

Alles in einem Glas miteinander vermischen. Kein Eis verwenden. Zur Herstellung des Ingwer-Brandy gibt man 20 g grob gemörserten Ingwer in 150 ml Cognac und seiht nach zwei Wochen ab.


Die Beschreibung von Mary Kittilby´s Bitter liegt aus dem frühen 18. Jahrhundert vor:


„Nimm zwei Unzen Enzianwurzel, die Schale von neun Orangen, sie müssen die größten echten Sevilla-Orangen sein, und sehr dünn geschnitten, zwei Drachmen Safran und zwei Drachmen Cochenille; lass alles in einem Quart Brandy durchziehen, in der heißesten Sonne, dann filtere es durch weiß-braunes Papier: Danach kannst Du zwischen zwanzig Tropfen und einen Teelöffel voll davon in Wein, Bier, Tee oder jeden Alkohol, den Du magst, nehmen. Mit zerkleinerten getrockneten Schildläusen alles rot einfärben.«


Als Rezept übersetzt:


15 ml getrocknete Enzianwurzel Zesten von 2 Orangen 0,33 Gramm Safran 225 ml Cognac


48 Stunden ziehen lassen, dabei gelegentlich schütteln. Anschließend filtern und in Flaschen abfüllen.


Der ursprüngliche Cock - tail war ein Punch:


Bei einem Punch sollte keine Zutat im Vordergrund stehen. Alles muss so aufeinander abgestimmt sein, dass der Cocktail weich, angenehm und nicht zu fade ist. Die Spirituose soll zwar wahrnehmbar sein, nicht jedoch ihre Stärke und Schärfe. Zu der Zeit, als man dieses Getränk zu sich nahm, gab es in der Regel kein Eis. Wie auch der Punch braucht dieser Cocktail kein Eis. Ist er zu kalt, wird sein Duft gedämpft und seine zarte Harmonie geht verloren. Man darf also keinesfalls auf Eis rühren, sondern lediglich kaltes Wasser aus dem Hahn verwenden.

Das der Name Cocktail im 18. Jahrhundert traditionell verwendet wurde deutet auch darauf hin, dass es diesen schon länger geben musste. Die am weiten zurückreichenste schriftliche Aufzeichnung finden wir im Tagebuch von Samuel Pepys aus dem Jahre 1660 bis 1669. Bei dem er den oben genannten „Royal Purl“ beschreibt.


Wir halten fest:


Erste schriftliche Erwähnung des Cock-Tail liegt im Jahre 17. Jahrhundert in London wo offensichtlich seine Entstehung nachweislich durch Ingwer und Pferdezucht aufgetaucht ist.

Der Europäische Cocktail besteht daher aus:


Wasserquelle

Alkoholquelle

Schärfequelle

Zuckerquelle

Bitterquelle


Der amerikanische Cocktail entwickelte sich zu einem, der auf die Schärfequelle verzichtete. Woran das lag war schnell erkennbar. Man trank Cocktails immer mehr als gesellschaftlichen Drink und nicht mehr nur als Medizin.


So gab es die aller erste Entwicklung der Cocktail Kultur.


Wir halten fest:


Der Londoner Cock- Tail & der amerikanische Cocktail. Die Rezepturen gleichen sich bis auf die Schärfequelle.


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